Der Karneval “Apokries” (Fasching) spielt in Griechenland eine überaus wichtige Rolle. Nach der drittgrößten griechischen Stadt Patras mit ca. 40.000 Teilnehmern und einer Million Zuschauern ist auch der Karneval auf der Insel Korfu von großer Bedeutung. Vermutlich durch den starken venezianischen Einfluss wird die Narrenzeit auf Korfu intensiver und farbenprächtiger gefeiert als auf anderen griechischen Inseln. In der Inselhauptstadt setzt man in den letzten Jahren wieder vermehrt auf traditionelle venezianische Kostüme. Nach den ruhigen Wintermonaten leitet der Karneval den Frühling ein, das Leben spielt sich wieder draußen ab und lockt die Bewohner ins Freie.
Eingeleitet werden die Feierlichkeiten in der Regel mit dem Tsiknopempti, was soviel bedeutet wie der “Donnerstag des Fleischgrillens”. Der Name ist Programm! Die ganze Insel duftet nach Souvlaki, gegrilltem Lamm, Kontosouvli und vielem mehr. Definitiv nichts für Vegetarier oder schwache Mägen. Anschließend fastet es sich aber quasi von alleine. An den drei Sonntagen vor Rosenmontag (Kathara deftera – Clean monday) finden in Korfu-Stadt große Umzüge statt. Aktuelle sowie historische Zustände werden aufs Korn genommen und der Gestaltung der Paradewägen wird große Aufmerksamkeit geschenkt.
Höhepunkt ist das Wochenende vor dem Rosenmontag. Überall auf der Insel gibt es phantasievolle Umzüge mit kreativen Paradewagen, oft mit Ironie und Humor hart an der Grenze, die aktuellen politischen Skandale, lokal, landes- oder weltweit werden auf die Schippe genommen. Es gibt unzählige Kostümparties mit Livemusik und griechischem Tanz bis tief in die Nacht. Weiterhin wird viel Fleisch verköstigt – man will es dem Magen wohl einfacher machen die Fastenzeit zu beginnen.
Der Karneval in den Dörfern unterscheidet sich von den urbanen und venezianische geprägten Feierlichkeiten in Korfu-Stadt.
Fastnacht in Argirades (Südkorfu) z.B. ist sehr traditionell geprägt. Im Herzen des Dorfes, der Platia Panagia, wird am Karnevalsfreitag ein rustikales Theaterstück mit Musikeinlagen dargeboten, oft mit satirischem Hintergrund.

Oi Vlachoi
Auch die „Vlachoi“ spielen eine zentrale Rolle. Diese kostümierten Figuren tragen Gesichtsmasken und führen einen rituellen Tanz auf, der an alte griechische Bräuche erinnert. Sie gelten als die Zeremonienmeister des Karnevals, eröffnen die täglichen Festivitäten und leiten die Prozessionen. In ihren Händen präsentieren sie frisch gepflückte Blumen, die ersten Vorboten des korfiotischen Frühlings. Meist gibt tägliche Freiluftveranstaltungen mit Tanz und Livemusik.
Der “Kathara Deftera” (Rosenmontag) markiert den Beginn der Fastenzeit. Mit der ganzen Familie und Freunden fährt man traditionell aufs Land bzw. zu den Stränden. Hier lässt man selbst gebasteltete Drachen steigen. Anschließend geht es zum Picknick oder in eine der traditionellen Tavernen (z.B. Kafesas in Agios Georgios Argirades), die an diesem Tag heillos überfüllt sind. Man schlägt sich ein letztes Mal die Bäuche voll, diesmal mit Meeresfrüchten wie Oktopus/Pulpo, Kalamaria, Muscheln, Taramosalata, Halva und einem speziellen Fastenbrot (Lagana). Am Abend (in anderen Dörfern bereits am Sonntag zuvor) wird der Karnevals-König (eine überlebensgroße, mit Stroh gefüllte Figur mit oftmals imposantem Genital) feierlich in Brand gesteckt während die Dorfbewohner um ihn herum tanzen.
Ostern (und somit auch der Karneval richtet sich in Griechenland nach dem julianischen Kalender und unterscheidet sich oft vom Termin anderer Länder. Meist finden griechische Ostern und Karneval etwas später statt, bis zu fünf Wochen (in 2026 eine Woche).